Die Geburt – Geburtsbericht (Teil 3/3)

Der Tag davor

Es war der 31. August 2017, ich musste noch ein  mal ins Krankenhaus um alles durchchecken zu lassen. Es wurde ein CTG geschrieben, Blut wurde mir abgenommen und noch ein mal gesagt wann wir da sein sollten. Zwischen 6:30 Uhr und 7:00 Uhr sollten wir also dort sein.

Nach dem ich fertig war fuhr ich mit der Straßenbahn nach Hause, telefonierte noch mit meiner Oma, um ihr mitzuteilen das alles gut ist. Und zu Hause angekommen realisierte ich … „Das ist jetzt der letzte Tag zu Zweit“ ein komisches Gefühl. Man weiß es geht morgen los aber so richtig vorstellen kann man sich das nicht. Nach dem mein Mann von der Arbeit kam gingen wir noch ein Eis essen, setzten uns an die Elbe, erzählten und genossen die Zeit.

Abends legten wir uns früh ins Bett. Denn wir waren der Meinung wir könnten eh nicht früh einschlafen, also den Laptop geschnappt ins Bett gelegt und noch mal ganz viel gekuschelt. Und um halb 10 waren wir todmüde. Also machten wir die Augen zu, denn wir wussten morgen gehts los.

Der Tag der Tage

Die Nacht verlief recht ruhig. Wir konnten erstaunlicher Weise ziemlich gut schlafen, zwar war ich um 4:30 Uhr wach aber das machte nichts, denn um 5:00 Uhr hätte eh der Wecker geklingelt. Also zog ich mich an, in Jogger und T-shirt ging es los zum Krankenhaus.

Dort angekommen stieg dann schon die Aufregung. Die Hebamme empfang uns freundlich und ich war heilfroh das es nicht die gleiche war, wie den Tag davor zur Untersuchung. Wir wurden in den Kreissaal gebracht und dann ging es auch schon los. Ständig ging die Tür auf und zu, jemand kam herein sagte uns was wir zu machen haben und was der nächste Schritt sei. Also gut, jetzt geht es wirklich los und in zirka einer Stunde halten wir unser Baby im Arm.

Schnell haben wir noch ein Foto mit der Murmel gemacht, denn so ein allerletztes Bild will doch irgendwie jede Schwangere haben. Und weil diese OP Hemden so schick sind, natürlich auch noch ein wunderschönes Foto mit OP Hemd. 😀

Ich legte mich in das OP-Bett und die Hebamme schloss das CTG an, es war alles super. Danach wurden die Zugänge gelegt, mit meiner Angst vor Spritzen/Nadeln war dies kein schöner Moment. Und so natürlich auch diesmal. Mein Kreislauf machte nicht lange mit, weil die Hebamme schon zwei versuche brauchte um den Zugang zu legen, zwei Versuche die gescheitert sind. Sie holte die Ärztin, welche mir dann den Zugang in der linken Armbeuge legte, dass fand ich total doof, denn man war dadurch noch eingeschränkter in seinen Bewegungen.

Ich muss ehrlich sein im Vorfeld war ich mir dann doch nicht bewusst was da so alles auf mich zukommt und was sie dann im Kreissaal so alles mit einem machen vor einem Kaiserschnitt. Zum Beispiel hatte ich keinen Gedanken daran verloren, dass sie mir einen Katheter legen mussten und das war dann wohl auch besser so. Ich dachte mir nichts weiter, machte alles was mir die Hebamme sagt und der Katheter lag. Aber ich wusste nicht, dass diese Ding so unfassbar unangenehm ist. Nach 10 Minuten liefen mir die Tränen, es tat weh, es brannte, es fühlte sich an wie eine schlimme Blasenentzündung. Ich wollte das sie den Katheter wieder rausnehmen, aber was hätte ich davon gehabt? Nichts! Also musste ich da jetzt durch.

Die Tür ging wieder auf und langsam nervte es mich, ich dachte wir hätten noch par ruhige Minuten für uns. Der Anästhesist und die Ärztin stellten sich vor und meinten in ca. 30 Minuten geht es los. Mein Herz schlug schneller bei dieser Aussage. „Ok, du schaffst das!“ Mein Mann war die ganze Zeit an meiner Seite, hielt meine Hand und war einfach für mich da. Denn so leicht wie ich mir das vorstellte war es dann doch nicht, man liegt nicht einfach nur auf dem OP Tisch und wartet das alles vorbei ist. Das Lächeln auf diesem Foto viel mir schon sichtlich schwerer.

Da war jetzt also der Moment, in dem mich die Hebamme nach nebenan in den OP brachte. Ich konnte meinem Mann nur noch schnell „Bis gleich, Ich liebe Dich“ sagen und dann wusste ich wir waren für die nächste halbe Stunde, Stunde getrennt. Die Tränen liefen bei uns beiden…

Es geht in den OP

Ich kam in den OP, meine ersten Gedanken waren „Das sieht hier ja gar nicht so aus wie bei Grey’s Anatomy?“ Ich weiß im Nachhinein musste ich sehr darüber lachen. Ein kleiner Raum, voll mit Ärzten, Schwestern und meiner Hebamme.
Ich setzte mich auf die Liege und wusste gleich kommt die Spritze, die Spritze wovor ich am meisten Angst hätte. Mein Körper zeigte diese angst in vollen Zügen, ich fing an zu zittern, der ganze Körper bebte und die Ärztin meinte nur ich müsse doch nicht solche Angst haben.

Aber ich war im Tunnel und hörte kaum noch einem zu. Ich war in dem Moment so mit mir selbst beschäftigt mich zusammen zu reißen und nicht ganz so doll zu zittern. Der Anästhesist erklärte mir alles ganz genau (er war toll und nahm mir die meiste Angst während der ganzen OP) und setzte die Spritze. Sie tat eigentlich überhaupt nicht weh, aber ich glaube das Lag an meinem Tunnel in dem ich mich befand.

Die Beine wurden schwer und sie legten mich hin. Nach gefühlten 5 Minuten spürte ich meine Beine nicht mehr. Ich kann euch jetzt auch nur noch die gefühlten Minuten schreiben, denn ein richtiges Zeitempfinden hatte ich dort nicht mehr. Da lag ich nun, wehrlos wie ein Fisch an Land. Meine Arme wurden festgebunden und um mich rum wuselte es… Mir wurde schlecht, ich dachte es wäre die Aufregung aber dann schaute ich nur noch um mich und versuchte Blickkontakt zu der Ärztin zu bekommen, die mich dann fragte ob mir schlecht ist. Ich nickte und in dem Moment stand sie schon mit dem Beutel in der Hand neben mir und ich musste mich übergeben. Ich war nicht in der Lage bescheid zu geben, hilflos und wie ein kleines Kind fühlte ich mich.

Die Hebamme stand an meiner rechten Seite und streichelte meine Hand, auf der anderen Seite der Anästhesist. Beide standen so das sie über das Tuch schauen konnten was vor mir gespannt war. Vorher war die Hebamme noch mal bei meinem Mann, um zu schauen ob bei Ihm alles gut ist. Sie kam mit einem Lächeln zu mir und meinte „Ihr Mann ist ganz schön aufgeregt, dem laufen jetzt schon die Tränen“.

Die Ärzte verschwanden hinter dem Tuch und es wurde ruhiger. Sie fragten mich ob ich das spüre und ich verneinte. Auf einmal ging es los, die Hebamme schaute mich an und meinte „Gleich ist ihre Tochter bei Ihnen!“ Ich konnte es nicht glauben, denn schließlich müssen sie mir doch erst mal den Bauch aufschneiden und dann das dort alles machen. Und da war es, ein kleines leises Schreien, ich realisierte überhaupt nicht, dass das meine Tochter war. Aber da kam die Ärztin mit ihr im Handtuch zu mir und zeigte sie mir…

Unsere Tochter ist da

Auf einmal war nichts mehr realisierbar für mich. Meine Tochter! Aus meinem Bauch! Wie geht das? Sie hatten mich doch eben erst hingelegt?
Die Ärztin hielt sie mir ans Gesicht so das ich ihr den ersten Kuss geben konnte, ein wunderschönes Gefühl und sie war so wunderschön. Es fühlte sich komisch an und doch war es der schönste Moment in meinem Leben, diese weiche, warme Haut und diesen kleine ruhige Mädchen (denn Geschrien hatte sie wirklich nur ein mal kurz). Ihre Augen waren auf und blickten mich an, etwas hilflos und fragend was gerade mit ihr passiert sei. Dann trugen sie, sie weg!

Ich wusste „Ok, jetzt noch knapp 20 Minuten und dann kann ich zu ihr“. Aber da war es wieder das Unterbewusstsein, was einem das Leben zur Hölle machen kann. Ich fing an darüber nachzudenken ob wirklich alles mit ihr ok ist, schließlich hatte sie doch nur ein mal kurz geschriehen und Babys schreien doch total viel, wenn sie auf die Welt kommen, oder?!

Ich wollte mich bewegen und konnte es nicht, ich wurde immer unruhiger versuchte meine Arme zu bewegen (die festgebunden waren) drehte mich hin und her. Ich wollte einfach nur Weg, ich wollte aufstehen und zu meiner Tochter! Das war der schlimmste Moment, der auch spuren hinterlassen hat. Denn ich werde dieses Gefühl wohl nie wieder vergessen können.

Die Ärztin bemerkte das, schaute mich an und meinte gleich wird alles besser…und da gab es dann die sogenannte „LeckmichamA****“-Spritze. Kurz danach war mir alles egal, ich lag da, bin fast eingeschlafen und von dem Zappeligen war nichts mehr zu spüren.
All das passierte aber in meinem Unterbewusstsein und ich konnte es absolut nicht steuern.

Kurz danach waren sie dann aber auch fertig, hebten mich in mein Bett und fuhren mich in den Kreissaal. Und da war er dann der Zweitschönste Moment in meinem Leben. Ich sah meinen Mann auf dem Stuhl sitzen, mit unserer Tochter auf der nackten Brust, Haut an Haut. Total verliebt schaute er sie an und hatte immer noch Tränen in den Augen. Sie war so unfassbar winzig in seinen Armen. Und ich war einfach nur froh meine beiden Lieblingsmenschen zu sehen und zu wissen es geht uns allen gut. Wir haben es überstanden! Er brachte sie zu mir, zeigte sie mir noch einmal und dann lag sie an meiner Brust, mein Mann angekuschelt neben uns und wir brauchten gar nichts sagen. Unsere Blicke sagten uns es ist alles gut!

Jona Linnea
geboren am 01. September um 08:48 Uhr
mit 3145 g und 49 cm

1 Kommentar

  1. Ein schöner Bericht! Er zeigt mal wieder, dass ein Kaiserschnitt keinesfalls traumatisch sein muss, solange man voll und ganz dahinter steht. 🙂
    Der Name eurer Tochter ist wirklich toll, habe ich so noch nie für ein Mädchen gehört. Jonah kannte ich bisher immer als Jungenname.
    LG

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