Die Entscheidung – Geburtsbericht (Teil 2/3)

Da war er nun also, der Zeitpunkt an dem wir eine Entscheidung treffen mussten. Es waren noch ca. drei Wochen Zeit bis zum errechneten Termin.

Das Gedankenkarussell fing sich an zu drehen, es war eine furchtbare Zeit. Eine Woche habe ich gebraucht um eine Entscheidung treffen zu können. Denn der Kopf war voll, jeder hatte eine andere Meinung. Die Ärzte konnten nur Empfehlungen aussprechen, genauso wie meine Hebamme. Aber keiner nimmt dir die endgültige Entscheidung ab.

Das fand ich total blöd, schließlich hatten sie doch alle die Erfahrung und nicht ich. Es ist mein erstes Kind und ich weiß weder was bei der spontanen Geburt auf mich zu kommt noch bei einem Kaiserschnitt.

Fragen über Fragen

Ständig liefen die Tränen und ich stellte mir schon wieder so viele Fragen.
Ist der Kaiserschnitt wirklich nötig?
Bin ich stark genug um eine spontane Geburt zu machen?
Bin ich denn überhaupt eine gute Mutter, wenn ich den Kaiserschnitt machen lasse? Schließlich muss ich dann nichts weiter machen als mich auf so einen Tisch legen und warten bis die Ärzte fertig sind…
Wie ist das mit der Bindung zum Baby? Sie wird ja erst einmal wieder weg sein um die Untersuchungen machen zu lassen, es wird kein Kuscheln geben in den ersten paar Minuten die sie auf der Welt ist.
Wird sie mir das später übel nehmen? Vor allem, wenn es bei Ihren Geschwistern mit einer spontanen Geburt klappen sollte und bei ihr nicht.
Kann ich mit den eventuellen Risiken leben?
Kann ich damit leben, dass wenn das Schicksal es so will,  mein Kind tot zu gebären?

Aber am meisten hatte ich wirklich damit zu tun, ob ich dann noch eine gute Mutter bin, wenn ich mich gegen eine spontan Geburt entscheide. Denn theoretisch wäre es ja möglich. Die Tränen liefen, den ganzen Tag. Ich war fix und fertig mit den Nerven. Es war mir nicht möglich einfach eine Entscheidung zu treffen. Ständig schwankte ich hin und her. Ich fing an Listen zu schreiben mit Pro und Contra. Und natürlich fragen sich manche „Warum muss sie da lange überlegen, wenn es das Risiko einer Totgeburt gibt?“ Ganz einfach, weil es auch die Möglichkeit gibt das alles gut gehen kann. Mein Mann stand mir ständig zu Seite und auch Ihn ließ das ganze nicht kalt, da saßen wir nun…beide wie ein Häufchen Elend, schauten uns mit Tränen in den Augen an und fragten uns warum es uns so schwer fiele eine Entscheidung zu treffen.

Ich habe die Welt nicht verstanden, denn sie lag schon mal in Schädellage bevor wir im Krankenhaus waren, warum schafft sie es nicht sich zu drehen? Warum möchte sie mit ihrem Kopf an meinem Herzschlag liegen? Gibt es da etwas in mir, was ich loslassen muss damit sie es schafft? Die Fragen in mir wurden immer mehr und immer tiefgründiger.

Ich habe mich viel mit mir und meiner Vergangenheit beschäftig. Hatte das Drehen etwas damit zu tun, los lassen zu können? Denn das ist etwas was mir schon immer schwer viel. Also redeten wir jeden Tag mit ihr, machten ihr Mut sich zu drehen. Wir sagten ihr immer „Es wäre so schön, wenn Du dich drehst und wir gemeinsam eine schöne Geburt erleben können, aber wenn es einen Grund gibt weshalb du Dich nicht drehen magst/kannst, dann schaffen wir auch einen Kaiserschnitt!“ Da war es nun also das Wort „Kaiserschnitt“, etwas was mir nie in den Kopf kam. Ich wusste, wenn es drauf ankommt, wäre ich stark genug. Für dieses kleine Füchschen in meinem Bauch würde ich alles tun und vor allem alles damit es ihr gut geht.

Die endgültige Entscheidung

Natürlich konnte ich nicht damit leben, mein Kind tot zu gebären. Das Risiko wollte ich nicht eingehen und durch das ganze hin und her schwanden meine Kräfte. Ich war anfangs so überzeugt eine spontane Geburt zu schaffen trotz BEL, weil ich wusste ich habe einen starken Mann an meiner Seite. Aber nun nach dem ganzen waren wir beide nicht mehr stark, ständig wurde einem Angst gemacht und die Kraft die man in die Entscheidungsfindung steckte saugte uns förmlich aus.

Die Entscheidung stand fest, es sollte ein geplanter Kaiserschnitt werden. Denn noch einmal zu warten und in Ungewissheit zu leben, wann es los geht und ob das dann alles so klappt wie wir uns das vorgestellt haben, hielt ich nervlich nicht mehr aus. Nach dem ganzen hin und her brauchte ich jetzt ausnahmsweise mal etwas Struktur. Ein mulmiges Gefühl hatte ich die ersten Tage trotzdem noch und fragte mich ob das denn nun wirklich die richtige Entscheidung war.

Wir fuhren also zu unserem Wunschkrankenhaus (welches nun wieder in Betracht kam, da sie ja eh für den Kaiserschnitt waren) und gaben Bescheid, dass wir dort den Kaiserschnitt machen wollten. Der Termin stand fest am 01. September sollten wir unser kleinen Füchschen im Arm halten dürfen.

Da war er nun der Termin, der Termin an dem der Kaiserschnitt gemacht werden sollte und unsere Entscheidung in Kraft treten würde.

Die Erleichterung

Ich glaube man hat es uns förmlich angesehen, wie froh wir waren. Endlich hatten wir eine Entscheidung getroffen. Es ging uns gut damit. Schließlich bin ich keine schlechte Mama, wenn unser Füchschen per Kaiserschnitt auf die Welt kommt. Sie wird es irgendwann verstehen warum wir uns so entschieden haben und warum es für diesen Zeitpunkt die beste Entscheidung war. Die letzten zwei Wochen versuchten wir zu genießen, denn obwohl man einen festen Termin hat steigt die Aufregung in einem von Tag zu Tag und es hätte ja auch jeder Zeit früher losgehen können. Denn die Übungswehen waren immer mal wieder da…

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